Erinnerung an die eigene Geburt

Das Thema fällt mir immer wieder auf die Füße.
Etwas in mir erinnert sich regelmäßig daran.
Ich denke nicht darüber nach, oder so.
Nicht diese Art von Erinnerung.

Eher als Frage, Empfindungen im Körper, eine Bewegung vor allem mit der Wirbelsäule und mit dem Kopf.
Und dann kommt mein verknüpfender Verstand dazu, der versucht einen Gesamt-und Überblick zu erkennen.

Kann er gut.
Und trifft oft ins Schwarze damit.
Ohne Garantie.

Das letzte Mal lag ich bei meiner Osteopathin auf dem Tisch. Eigentlich um meinen Nacken nach einer Zahn-OP wieder zu entspannen.

Und ich habe mich gefühlt als ob ich mich durch einen Kanal drehe. Immer weiter nach rechts oben.
„Da ist es wieder“.

Die Osteopathin fing ein paar Minuten später auch mit dem Thema an. Dass sie die ganze Zeit an einen Geburtsvorgang denken muss. Als ob wir den nachspielen.

Tagelang hat sich meine Halswirbelsäule danach nach oben gestreckt und dann nach vorne gezogen.
Wie ein Würmchen.

Wenn ich etwas wirklich wichtig finde oder etwas mache was mir wichtig ist, bekomme ich nach kurzer Zeit Stress und mich überkommt eine Dringlichkeit.
Dann erinnere ich mich an meine Geburt.
Und wenn ich mehrere Termine und Aufgaben habe, die ich zeitlich alle zusammenbekommen möchte.

Als ob mein Nervensystem bei Terminen, bei Zeit, bei Wünschen, bei komplexerer Organisation und bei bestimmten körperlichen Bewegungen seine Geburt abruft.
Immer weiter geboren werden?

Meine Mutter hat mir meine Geburt erzählt.

Ich bin ihr erstes Kind.
Sie war über dem Geburtstermin und es war vor dem Wochenende.
1978 Grund genug die Geburt einzuleiten damit die Ärzte ihren Sonntag nicht im Krankenhaus verbringen mussten.
Also wurde meiner Mutter das Wehenmittel Oxytocin verabreicht.

Keine Wehen wurden angezeigt.
Über Stunden.
Und das Oxytocin wurde höher und höher dosiert.

Bis meine Mutter darauf hinwies, dass sie schon sehr starke Schmerzen habe und sich nicht vorstellen kann jetzt noch stärkere Wehen zu bekommen.

Die Untersuchung zeigte ihr Muttermund war fast ganz geöffnet während der Wehenschreiber keine Tätigkeit erkannte.
Konnte er auch nicht weil er defekt war.

Dann noch Presswehen und kurz vor Mitternacht wurde ich aus ihr rausgezogen.

Die noch kürzere Fassung:

Meine Geburt wurde künstlich eingeleitet, Mutter und Kind mit einer Überdosis Oxytocin vergiftet und mit einer Realitätsverschiebung in der Wahrnehmung von Mensch und Maschine konfrontiert.
Ein intensives, dringliches Erlebnis das Gott sein Dank gut zu Ende ging.

Grund genug für eine Erinnerung im Nervensystem.
Grund genug für Stress mit Zeit.
Für eine intime Beziehung zu Intensität.

Diese Story macht mein Verstand also aus der Erinnerung in der Halswirbelsäule und dem Empfinden im Becken zu stecken.

Gibt es eine Garantie?
Sicher nicht.

Was gibt mir meine Geburtsstory?

Eine Aufmerksamkeit und großes Interesse daran wie unser Nervensystem funktioniert.
Die Frage nach der Art wie unser Gehirn Erinnerungen verarbeitet und speichert.
Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Raum, Zeit und Erinnerungen.
Die Faszination an Quantenphysik und holografischen Ideen.
Der Drang zu Verstehen und einen Sinn zu finden.
Der Drang nach Geschichten und Erzählungen.
Und das Staunen über menschliches Verhalten.

Große Neugierde.
Und Qualitäten.

Heute mag ich die Intensität, die Schnelligkeit, die Dringlichkeit und die Empfindsamkeit an mir.
Die Neugierde und das kreative Zusammenfügen von Einzelteilen.

Dann bin ich ganz wach.
Und ich sehe die Dringlichkeit nach einer anderen Situation für werdende Mütter und die Wichtigkeit von Hebammen und Doulas.
Dann sehe ich den Bedarf an Wissenschaft und Mystik in unserer Gesellschaft.
Und ich erinnere mich, dass ich nicht an Zufälle glaube.

Auch das habe ich von meiner Mutter.
Ihren festen Glauben daran, dass nichts ohne Zufall geschieht. Dass alles seinen Sinn und seine Berechtigung hat.
Auch wenn ich das nicht immer gleich sehen kann.

Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt mal.

Quelle: Die Zeit, Stefanie Kara: Unsere Wunderdroge, 16.April 2016
Quelle: www.gehirnlernen.de



von

hallo! Ich bin Katrin. In unserer dualen Welt gibt es immer wieder sehr magische Momente, in denen sich der unendlich weiter Raum öffnet. Diesen Raum möchte ich mit Worten, Bildern und Musik erforschen, berühren und beschreiben.

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