Feminismus und Sexarbeit

Am 11.03.2017 beim 7. Barcamp Frauen in Berlin.
Eine Session die ich besucht habe, widmete sich dem Thema „Feminismus und Sexarbeit“.

Zwei mutige und sehr unterschiedliche Sexarbeiter_innen wagen einen Versuch, die beiden Standpunkte von Gegner_innen der Sexarbeit und die der Hurenbewegung darzulegen.

Es gibt tief gespaltene Meinungen um dieses emotionale und polarisierende Thema.

Gegnerinnen sind unter anderem die feministische Antiprostitutionslobby, radikale Feministinnen, konservative und rechtspopulistische Vertreter.
Sexarbeit wird hier als Gewalt gegen Frauen und als erzwungene Ausbeutung und Abhängigkeit gesehen.
Sexarbeit kann nie freiwillig sein sondern entsteht als Konsequenz von Zwang und Gewalt, früheren Traumatisierungen oder Missbrauch und hat eine Traumatisierung zur Folge.
Sexarbeit ist immer männliche Gewalt gegen Frauen.

Die Hurenbewegung hingegen wünscht sich eine Differenzierung des hochkomplexen Themas.
Es geht einerseits um Arbeit und um eine Dienstleistung, andererseits um Themen wie Heteronormativität, Sexfeindlichkeit, Stigmatisierung, Kriminalisierung, Migrationspolitik und Menschenhandel.

Und es geht umd Macht und um Geld in Milliardenhöhe.

Außerdem wünscht sich die Hurenbewegung eine Differenzierung von Sexarbeit und Zwangsprostitution.
Und die Unterscheidung von gewalttätigen Übergriffen und von frei gewählter, selbstbestimmt ausgeübter Arbeit.

Zu freigewählter Arbeit, egal ob körperlich oder geistig, passt das liberale Autonomieprinzip John Stuart Mills.

Megan Rivers-Moore, Soziologin für Frauen-und Geschlechterstudien an der Carleton University, Kanada sagt, es geht bei der Debatte oft weniger um Sexualität als um die Soziologie der Arbeit.

Prof.Dr.Kathrin Schrader vom feministischen Institut Hamburg meint „Sexarbeit ist ein Teil von Carearbeit. Care- und Sexarbeit sind Dienstleistungen in kapitalistischen Verwertungsprozessen“.
Und „Sexarbeit ist feministisch, aber Feminismus ist manchmal paternalistisch“.

Wie sich beim Thema Sexarbeit alles eher vermischt anstatt differenziert, wird am sogenannten „Schwedischen Modell“ deutlich. Ein Prostitutionsgesetzt aus dem Jahr 1999.
Verabschiedet in Schweden, Irland, Nordirland, Island, seit 2014 in Kanada und vielleicht auch bald in Frankreich.
Das Gesetzt verbietet und bestraft den Kauf von Sex. Zum Schutz von Prostituierten.
Leider hat sich dadurch wohl vieles für Sexarbeiter_innen verschlechtert.
Sie sind Mitwissende einer Straftat, können unter Druck gesetzt und korrumpiert werde und Heimlichkeit, Kriminalisierung, Gewalt, Zwang, Scham und Stigmatisierung begleiten das Gesetz.

“Das Stigma der Hure trennt uns Frauen in gute und schlechte Frauen. Dieses Stigma ist eine Säule der patriarchalen Ideologie. Es ist notwendig, das Konzept der Prostitution – in dem dieses Stigma bereits festgeschrieben ist – zu dekonstruieren.” Maria Cristina Boidi Philosophin, Koordinatorin LEFÖ, Österreich

Die Gegner_innen jedoch loben das Gesetz.

Seit 2016 gibt es in Deutschland, mit der Mehrheit von Union und SPD das Prostituiertenschutzgesetz.
Es soll Frauen besser schützen und Ausbeutung und Gewalt entgegenwirken.
Bordellbesitzer müssen künftig eine Erlaubnis einholen.
Sexarbeiter_innen sollen sich alle zwei Jahre bei ihrer Kommune anmelden und müssen jährlich eine Gesundheitsberatung absolvieren.
Grüne und Linke lehnen das neue Gesetzt als moralisierend und kontrollierend ab.

Und abseits von Arbeitsfragen und Politik stellt sich nochmal die Frage nach dem Feminismus von Sexarbeit.

Es geht um die Freiheit verschiedene Lebensentwürfe zu wählen und zu leben. Als Frau und als Mensch.
Und gleichzeitig den Schutz zu bieten, dass jede Frau und jeder Mensch sich diese Freiheit bewahren kann.

Respekt wünscht sich eine der vortragenden Sexarbeiter_innen.
„Einfach nur Respekt“.



von

hallo! Ich bin Katrin. In unserer dualen Welt gibt es immer wieder sehr magische Momente, in denen sich der unendlich weiter Raum öffnet. Diesen Raum möchte ich mit Worten, Bildern und Musik erforschen, berühren und beschreiben.

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