Lee Bul: CRASH im Martin-Gropius-Bau

#koerper

Körper aus Wachs, Körper aus Porzellan, Körper aus Gips.
Körper mit fehlenden Armen und Beinen.
Körper aus Stoff oder auf Stoff gemalt, fein mit Pailletten geschmückt.
Körper, in die der Körper der koreanischen Künstlerin Lee Bul schlüpft und seine Form wechselt.

Eine Gestaltveränderung vom menschlichen Körper zum tierisch-futuristischen Wesen.
Das kann bei Lee Bul blutig und unförmig oder technisch-maschinell sein.
Oft ist es schön.

Die Ausstellung „Crash“ von Lee Bul im Martin Gropius Bau in Berlin ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland.
Lee Bul ist politisch, magisch, visionär und ich finde, sie hat Humor.
Bei aller Beklemmung, die dystopischen Utopien oft anhaftet, bleibt sie leicht und verspielt.

Perfektes beinhaltet Mängel.
Das anmutige Wesen, das ohne Bein von der Decke schwebt.
Und die Rüstungen in pink und orange sind aus Wachs.

Der glitzernde feine Leuchter steht auf dem Kopf und sein Spiegelbild enthüllt Dimensionen von seltener Tiefe.

Der stille Swimming Pool, umgeben von den Berggipfeln des heiligen Berges Paektusan erzählt nicht nur von friedlicher Natur, sondern von der Wasserfolter in Nordkorea.
Die Pastellfarbe auf den angebrochenen Kacheln ist zart.

Wie Schneewittchen im gläsernen Sarg ist im großen Kristall auf dem Boden ein menschlicher Körper eingeschlossen.

Was Lee Bul über Menschen und ihre Körper erzählt, berührt mich.
Sie erzählt von Systemen, in denen diese Körper klar kommen müssen und davon, wie Körper versuchen das hinzubekommen.

Manche versuchen perfekt zu sein.
Manche funktionieren, egal was passiert.
Mehr Maschine als Mensch.
Andere wollen nie Tier sein.
Andere immer.

Menschen, eingeschlossen in Materie, in Emotionen und Gedanken.
Das sind Labyrinthe, in denen Menschen sich verlieren.
Lee Bul findet dafür Worte, die ich verstehe.
Sie zeigt verschiedene Träume, in die sich das Labyrinth hin entwickeln kann.
Eventuell gibt es Wege in die Freiheit.

Dafür liebe ich Kunst.
Sie sagt mir nicht, welche Übung ich jeden Abend anwenden muss, um nach einem Tag in diesem immer schnelleren System wieder runterzukommen.
Sie sagt mir auch nicht, was „gut“ ist und was sich gut verkauft.

Sie zeigt mir Träume.
Im besten Falle tiefe und humorvolle Träume wie die von Lee Bul.

Lee Bul: CRASH im Martin-Gropius-Bau bis 13.Januar 2019

von

hallo! Ich bin Katrin. In unserer dualen Welt gibt es immer wieder sehr magische Momente, in denen sich der unendlich weite Raum öffnet. Diesen Raum möchte ich mit Worten, Bildern und Musik erforschen, berühren und beschreiben.

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