News, Macht und Lügen.

Am Anfang spielt Kay oft mit einer großen Brille in der Hand und sie versucht, ihrer Unsicherheit mit Auswendiglernen zu begegnen.

„Kay“ Graham, gespielt von Meryl Streep, ist die ehemalige Herausgeberin der Washington Post. Sie ist die erste weibliche Verlegerin, umgeben von männlichen Reportern, Beratern und Vorstandsmitgliedern.
Alle halten sich an die Spielregeln der 70er Jahre, in der Frauen ihren Kindern und Enkeln Geschichten erzählen und Dinner-Parties veranstalten und sich nicht in Politik, in Wirtschaft und in Machtfragen einmischen.

Eine Heldin wird geboren.

Kay findet im Laufe des Historiendramas „Die Verlegerin“ (engl.“The Post“) von Steven Spielberg ganz geschmeidig einen sicheren Platz im Kaftan sowie im maskulinen Machtgefüge Washingtons.
Sie stimmt 1971 einer Veröffentlichung der Pentagon-Papiere zu, welche die gezielte Desinformation der Bevölkerung über den Vietnamkrieg belegen.

Die Veröffentlichung geschieht gegen den Widerstand der damaligen US-Regierung und bringt die „Post“ gemeinsam mit der New York Times bis vor den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, wo sie in einem Grundsatzurteil das Recht auf Pressefreiheit stärken.

In Zeiten, in denen sich die Pressefreiheit weltweit massiven Anfeindungen ausgesetzt sieht, ist der Film hochaktuell. Genauso ist der Umgang mit Fake News beziehungsweise mit Lügen ein Thema, das in aller Munde ist.
Und auch die Frage, wie Frauen in einem männlich geprägten Sozial-und Arbeitsumfeld zu ihren Qualitäten und zu Macht stehen können, ist noch nicht geklärt.

Menschen prägen Situationen.

Herr Spielberg wirft einen feinen Blick auf Kay.
Er zeigt, wie sie an ihren Aufgaben wächst. Und er zeigt, wie sie Werte vertritt, die in Unsicherheiten, kulturellen Regeln, persönlichen Freundschaften und Sorgen um das Wohl ihrer Angestellten tief verstrickt sind.

Es braucht zu jeder Zeit mutige Menschen, die sich gegen bestehende Regeln stellen und dem folgen, was passend und stimmig für sie ist.
Eine Kommunikation, die auf Transparenz und Freiheit, auf Partizipation und Gleichberechtigung Wert legt, ist gefragt und steht zugleich auf dem Prüfstand.
Geht es um Werte oder geht es um Konzepte, die sich gewinnbringend anhören?

„Die Verlegerin“ ist eine gute Erinnerung sich immer wieder mal zu fragen, was einem wichtig ist und wofür es sich lohnt, Risiken einzugehen. Und ob es nicht meist etwas Größeres ist, in dem wir uns bewegen.

„Die Verlegerin“, Steven Spielberg (2017).
Läuft seit Ende Februar 2018 in den deutschen Kinos.

Beitragsfoto: Foto von Branden Harvey auf Unsplash

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hallo! Ich bin Katrin. In unserer dualen Welt gibt es immer wieder sehr magische Momente, in denen sich der unendlich weiter Raum öffnet. Diesen Raum möchte ich mit Worten, Bildern und Musik erforschen, berühren und beschreiben.

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