wie Türen sich weit öffnen sobald ich mich verabschiede

Oft nehmen wir alles sehr persönlich und täglich sind wir mit unübersehbarer Dramatik, mit Leiden und mit komplizierten Stories konfrontiert.
Ich frage mich ob das auch entspannter geht.

Immerzu ist jeder mit sich selbst beschäftigt.
Oder lenkt sich von sich ab.
Ich nehme mit Hafermilch.
Ich esse nur bio.
Ich mag Berlin.

Ich habe so viele Jahre investiert und an mir gearbeitet.
Alles um ein halbwegs stabiles Ich zu etablieren.
Gerade mal so sicher, dass es gleich wieder zu gehen wünscht.
Und es erleichtert mich ungemein!
Dieses Gelassen sein.

Ja, ich mag Hafermilch und ich nehme auch Kuhmilch, Sojamilch, Mandelmilch, Cashewmilch, Haselnuss, Kokos, fettfrei und auch schwarz.

Und ja, es schmeckt unterschiedlich und ja, es macht einen Unterschied.
Und ja, ich mag es wenn Kaffee meinen Geschmack trifft.
Trotzdem gibt es wichtigeres.
Der Geschmack von Stille im Kopf während Kaffee meinen Hals hinunterläuft.

Wenn ich mich über Sojamilch nerve oder darüber, dass der Kaffee zu sauer schmeckt, dann ist so viel von mir so laut, dass ich am Ende den Kaffee verpasse.

Heute steht hinter der Maschine die Barista, die immer so zickig rum tut.
Mein lautes Ich kann den guten Kaffee ohne Probleme so in Beschlag nehmen, dass ich nur noch angewiderte Schlückchen vom Zicken-Kaffee nehme.
Persönlicher Angriff auf meine Wohlbefinden.
Geht schließlich um meinen Morgenkaffee.

Ich übertreibe ein kleines bisschen.
Und doch passiert genau das die ganze Zeit.

Mit ein bisschen mehr Gelassenheit scheint mir menschliches Verhalten gleich noch absurder.
Ich werde traurig darüber und es ist mir auch egal.
Nicht gleichgültig.
Einfach weiter weg.
Mit einem kleinen Abstand schmeckt dann fast jeder Kaffee.

Und ich höre die Vögel, habe die Sonne im Auge und mache Rauchwölkchen aus der kalten Luft.
Ich habe extrem viel Zeit wenn es so still in mir ist.
Wer ist eigentlich gegangen?
Denn ich bin immer noch da.

Beitragsbild: Katrin Pauline Müller

von

hallo! Ich bin Katrin. In unserer dualen Welt gibt es immer wieder sehr magische Momente, in denen sich der unendlich weiter Raum öffnet. Diesen Raum möchte ich mit Worten, Bildern und Musik erforschen, berühren und beschreiben.

Kommentare (2)

  1. I like! und die letzten beiden Sätze sind besonders toll!

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