Zeit und Gold

Wie aus Zeit Gold wird

PASSIV:
Das Nichtausführen von Handlungen

Schrift spielte bei den Aborigines keine Rolle.
Alles wurde mündlich überliefert.
Und körperlich. In Form von Tänzen, Theater, Pantomime, Körperbemalungen und Musik.
Legenden der Aborigines sagen, die Welt wurde ins Leben gesungen. Musik, dieses Medium das Zeit verändert, weil es sehr passiv über Schallwellen auf uns trifft und uns berührt.
Musik verändert wie sich ein Körper anfühlt, wie eine Emotion erlebt wird und wie Raum und Zeit wahrgenommen werden.

Seit wann gibt es Zeit?
Seit Menschen, Fossilien oder Erdschichten Zeit dokumentieren?
Seit Menschen Zeit als Hilfe für Struktur und Ordnung und als Rahmenbedingung nutzen?
Und seit wann gibt es die Zeit, die jeden Moment neu erblüht?
Einer Zeit, der egal ist, dass ein Jahr aus zwölf Monaten besteht.
Einer Zeit, der wie im Buch „Momo“ von Michael Ende ein Zauber von Tiefe und Unbekanntem innewohnt.
Eine Zeit die mit unbeschreiblicher Schönheit blüht.
Hat diese Art von Zeit Anfang und Ende?
Diese eher passive Zeit.
Die nichts tut sondern einfach „da“ ist.

Über Zeit zu schreiben, macht mich zum Beobachter von Zeit.
Ich schenke Zeit meine Aufmerksamkeit.
Was macht das mit Zeit?
Was macht das mit mir?

Es bleibt nicht aus, dass ich die beiden Zeit-Aspekte von Struktur und dem Zauber des Moments, klarer sehen kann.
Ich beobachte sie.
Das Konstrukt Zeit und die vergängliche Blüte von Zeit.
Ein logischer, praktischer Aspekt.
Und ein sinnlicher Aspekt der Duft versprüht und berührt mit Gefühl und Empfindungen.

Eine Zeitreise. Zum Uluru. In die Tiefsee. Zu den Sternen. In den Grunewald zu den Wildschweinen. Nach Florenz.

Das ist die Qualität von Passivität die überall gleichzeitig ist und die träumt.

Der Verstand bekommt es mit der Angst zu tun und läuft rastlos hin und her.
Sucht nach Struktur und Ordnung.
Nach Sicherheit.
Doch ich bin nicht nur Verstand oder Träumer.
Ich bin Beobachter.
In dem Raum, in dem diese drei Anteile versammelt sind, kann ich mich ausruhen.
Ein Sofa, auf dem ich mich einsinken lasse.
Die Schwerkraft nicht halte.
Ein Raum, dem ich vertraue, auch wenn er immer unbekannt ist.

Lange habe ich von Mitte geträumt

Ich wusste in welchen Straßen von Mitte ich sein möchte.
Dann war da ein Baum im Traum. Bei dem Baum würden wir wohnen.
Ein sehr wichtiges spezifisches Zeichen auf dem angespannten Berliner Immobilienmarkt.
Und doch bin ich kurze Zeit später an diesem Baum vorbeigelaufen.
Und noch ein bisschen später sind wir in die Wohnung neben der Kastanie eingezogen.
In dieser Wohnung kann ich zuhause sein, kann ich schwer auf dem Sofa liegen.
Hier habe ich gelernt anders mit Zeit umzugehen.
Hier habe ich Passivität besser kennengelernt.

Ich habe mich dadurch verändern. Bin mehr in mir angekommen.
Wer ich bin, was ich mag, was ich nicht mag. Das braucht Zeit.

Mit vier Menschen bin ich passiver Zeit ein bisschen tiefer auf den Grund. Wir haben vierzehn Tagen geforscht und es hat sich bei allen ähnliches gezeigt:

• Zeit, die passiv genutzt wird ist kraftvoll und gleichzeitig erholsam.
• Passive Zeit verändert aktive Zeit in dem Sinne, dass fast jede Aktion mit einer Pause danach intensiver, voller, zufriedener und abgeschlossener erscheint. Das gibt ein Empfinden von Integration, Sicherheit und Vertrauen.
• Passive Zeit erlaubt schnelle und einfache Übergänge zu einer nächsten Aktion. Das gibt Beweglichkeit und Struktur.
• Passive Zeit schenkt Zeit. Die Erfahrungen scheinen länger und tiefer.
• Passive Zeit überrascht mit Sinnlichkeit und Genuss. Etwas das wir in unserer strukturierten Welt oft schmerzlich vermissen und das uns auch Genussmittel so nicht geben können.

Gold

Der menschliche Wunsch nach Unsterblichkeit.
Die Suche nach dem heiligen Gral, das heilige Gefäß das ewige Lebenskraft spendet.
Oder der Stein der Weisen, der hilft etwas Unedles in etwas Edles zu verwandeln.

Neben bewusster Aufmerksamkeit im Alltag kann Meditation, volles Atmen, spazieren in der Natur, Tanzen oder Yoga den Beobachter mehr aufs Spielfeld bringen.
Oft passiert das Auftauchen des Beobachters über einen sehr körperlichen Aspekt.
Dann haben ich den heiligen Gral und den Stein der Weisen direkt vor der Nase.
Ständig.
Ich sehe das nicht immer.
Doch ich erinnere mich oft.

Mein Körper führt all seine unzähligen Aufgaben unermüdlich aus.
Er ist immer beschäftigt.
Und oft ist er am gesündesten und glücklichsten wenn ich in seine Tätigkeiten nicht eingreifen, sondern wenn ich ihn machen lassen.
Wenn ich passiv bin.
Wenn ich meinem Körper zuhören und ihn dort und dann unterstützen wo und wann er mich braucht.

Wenn, dort, dann, wo und wann.

Beitragsbild Katrin Pauline Müller
Quellen:
Ólafur Arnalds, Near Light via Soundcloud
Yoga-aktuell.de, Interview mit David Frowley
Digital Journal Science, Stephen Morgan 03.06.2015
Stephen Hawking, Eine kurze Geschichte der Zeit
Michael Ende, Momo

von

hallo! Ich bin Katrin. In unserer dualen Welt gibt es immer wieder sehr magische Momente, in denen sich der unendlich weite Raum öffnet. Diesen Raum möchte ich mit Worten, Bildern und Musik erforschen, berühren und beschreiben.